Auf Augenhöhe im Straßenverkehr

Shownotes

Diese Podcast-Folge befasst sich mit Kinderrechten im Bereich der Verkehrsplanung und dem Recht auf ein unversehrtes, sicheres Aufwachsen. Gast ist die Stadt- und Verkehrsplanerin Katalin Saary (deren Namen wir leider im Gespräch falsch aussprechen; sorry dafür! Der Name Saary hat eigentlich einen "sch"-Laut am Anfang._) Saary betont, dass Kinder das Recht auf einen angenehmen Schulweg und ein lebenswertes Umfeld für ihre Freizeit haben. Es sei ein Wandel von der Haltung des „verkehrsgerechten Kindes“ zum „kindgerechten Verkehr“ nötig. Dies bedeutet, die Stadt aus der Augenhöhe von Kindern zu betrachten, um neben der objektiven Verkehrssicherheit auch das subjektive Sicherheitsempfinden zu berücksichtigen. Kinder achten auf Gerüche, bellende Hunde oder zu schmale Wege, die sie zum Straßenseitenwechsel zwingen. Die aktuelle Situation in Deutschland bewertet Saary als einen „Rollback“, bei dem das Auto wieder stärker im Fokus steht. Die Zunahme der Größe und Anzahl von PKWs führt dazu, dass Gehwege immer schmaler werden (oft 1,50 m statt der regelkonformen 2,50 m). Dies steht im Konflikt mit der Vision Zero (keine Unfälle bis 2050), da die Unfallzahlen von Kindern und Jugendlichen auf Schulwegen zunehmen. Kinder benötigen breite Wege, auf denen sie nebeneinander laufen können, sowie abgesenkte Bordsteine und adäquate Grünzeiten an Ampeln, da ihre Gehgeschwindigkeit langsamer bemessen werden muss (ca. 0,9–1,0 m/s). Die Umsetzung notwendiger baulicher Maßnahmen wird oft durch leere Kassen und die politische Angst vor dem Wegfall von Parkplätzen blockiert. Positive Ansätze sind die gesetzlich vorgeschriebene Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Programme wie die Schulmobilitätspläne in Hessen, bei denen Kinder aktiv ihre Wege auf Barrieren überprüfen. Saary fordert, die existierenden Gesetze und Richtlinien (wie das 3:4:3-Verhältnis zur Flächenverteilung) endlich ernst zu nehmen und umzusetzen. Angesichts des dramatischen Verhältnisses von 3,5 PKWs pro Kind (im Vergleich zu 1:1 im Jahr 1970) seien Kinder heute eine „Minderheit ohne Schutz“, die sichere, grüne und langsame Straßenräume benötige.

Weiterführende Links:
Studiengänge der Hochschule Kehl The Guardian: London's Ultra Low Emmission Zone and the case of Ella

Produktion:
Koproduktion der Städte Mannheim, Köln und des Berliner Bezirks Pankow
Redaktion: Jürgen Brecht, Anica Latzer-Schulte und Aline Fraikin
Moderation: Aline Fraikin
Jingle und Schnitt: Dylan White
Cover: Maja Luna Neumann

Transkript anzeigen

00:00:04: Die Kinder haben ein Recht darauf, unversehrt und angenehm und sicher zur Schule zu kommen, aber auch ein lebenswertes, für sie gut gestaltetes Umfeld für ihre Freizeit

00:00:17: zu haben.

00:00:24: Hallo und herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen, zu einer neuen Folge unseres Podcasts Stadtvisionen - jung gedacht.

00:00:31: In unserer Podcastreihe möchten wir einen Blick auf die Rechte von Kindern in unserem Land werfen.

00:00:36: Gemeinsam mit spannenden Gästen schauen wir, was wir in unseren Städten und Landkreisen tun können, damit Kinder und Jugendliche in einer Umgebung aufwachsen, die ihre Bedürfnisse ernst nimmt und ihnen ein gutes Leben ermöglicht.

00:00:47: Mein Name ist Aline Freikin und ich führe euch durch diese Podcast-Episode, in der wir uns heute näher mit dem Thema Kinderrechte im Bereich der Verkehrsplanung beschäftigen möchten.

00:00:57: Dafür sprechen wir mit der Stadtplanerin und Verkehrsplanerin Katalin Saary aus Darmstadt.

00:01:01: Katalin Saary ist Expertin für Kinder und Jugendgerechte Verkehrsplanung.

00:01:05: Sie ist vielseitig ausgebildet und hat über ihr Studium mit Vertiefungen Eisenbahnen, Straßen und Verkehrswesen, Soziologie und Städtebau, schließlich vor allem über das Thema Schulwegsicherheit in diesem Arbeitsbereich gefunden.

00:01:17: Auf ihr Studium folgte eine Ausbildung zur Moderatorin in Kinder und Jugendbeteiligung und zur Sicherheitsauditorin für innerorts Straßen, also mit Fokus auf Fuß- und Radverkehr.

00:01:27: Katalin Saary hat lange frei beruflich gearbeitet und leitet heute ihr eigenes Büro namens Mobilitätslösung mit einigen Angestellten.

00:01:35: Herzlich willkommen Katalin.

00:01:38: Herzlich willkommen, danke, dass ich da sein darf.

00:01:42: Vielleicht zuallererst könntest du unseren Zuhörerinnen mal darlegen, welche Verbindungen zwischen Kinderrechten und Verkehrsplanung besteht.

00:01:52: Zu der Frage, es gibt rechtliche Grundlagen.

00:01:55: Es gibt die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen von neunzehnundachtzig.

00:01:59: Und die hat verschiedene Artikel.

00:02:02: Und wenn man sich den Artikel achtundzwanzig, das Recht auf Bildung und das Recht auf Schule und den Artikel einen Dreißig, Recht auf Ruhe, Freizeit und Spiel sozusagen gemeinsam anschaut, dann wird sehr schnell klar, es gibt eine Verantwortung der Politik einer Kinder.

00:02:20: freundliche Stadt- und Verkehrsplanung auch wirklich umzusetzen.

00:02:23: Also die Kinder haben ein Recht darauf, unversehrt und angenehm und sicher zur Schule zu kommen, aber auch ein lebenswertes für sie gut gestaltetes Umfeld für ihre Freizeit zu haben.

00:02:39: Und das bedeutet nicht nur innen drin, sondern eben auch außen draußen, also in der Stadt, in der gebauten Stadt.

00:02:47: Und das ist für mich das Recht auf ein unversehrtes Aufwachsen.

00:02:53: Ganz knapp gesagt.

00:02:55: Und da haben wir gerade das Problem, dass das Ziel nicht erreicht wird.

00:03:02: Es gibt auch das bundesweites Ziel der Bundesregierung in dem Verkehrssicherheitskonzept zu Vision Zero, das heißt also keine Unfälle mehr bis zum Jahr.

00:03:17: Er fordert eine Abnahme von Verkehrsunfällen, von Verkehrstoten.

00:03:21: Und gleichzeitig haben wir eine Zunahme an Verkehrsunfällen von Kindern und Jugendlichen auf Schulwegen zu Fuß und mit dem Fahrrad.

00:03:29: Also, da klappt offensichtlich irgendwas nicht.

00:03:33: Das war jetzt gerade vor kurzem eine ganz aktuelle Stellungnahme des Bundesverbandes für Verkehrssicherheit.

00:03:46: Die haben sich dazu nochmal auch selbst ja mit Auseinander gesetzt und gesagt, das kann so nicht weitergehen.

00:03:53: Das heißt für mich, eine kinderfreundliche Kommune orientiert sich ganz stark an den Interessen und Bedürfnissen von Kindern und nimmt die dann auch ernst.

00:04:02: Das Thema Verkehrssicherheit ist da ein wesentlicher Punkt.

00:04:06: und dann sind wir ganz schnell dann auch bei der Beteiligung, denn woher weiß ich denn bei der... Was die Kinder wirklich als Verkehrssicher betrachten, weil das ist ja nicht nur das Verkehrsunfälle, sondern ist es auch, dass die subjektive Sicherheitsempfinden sich da genauso gut mit berücksichtigen.

00:04:28: Vielleicht können Sie den Punkt nochmal so ein bisschen ausführen.

00:04:31: Also was bedeutet eine kindgerechte Verkehrsplanung konkret?

00:04:34: Sie haben gerade... Beteiligungsaspekte angesprochen.

00:04:39: Schulweg-Sicherheit ist schon als Stichwort gefallen.

00:04:41: Vielleicht können Sie da noch mal einen abrundenden Satz zu sagen.

00:04:46: Ich versuch's mal.

00:04:51: Es war lange Jahre, Jahrzehnte, so die Haltung.

00:04:54: Die Kinder sollen sich so verhalten, wie der Verkehrsraum es Ihnen oder der Stadtraum es Ihnen vorgibt.

00:05:01: Also, dass ein Verkehrs, sogenannte verkehrsgerechte Kind und ... Es gibt schon seit vielen Jahrzehnten auch die Haltung bei Planerinnen und Planern.

00:05:13: Und inzwischen trinkt es so ein Stückchenweise auch in die Politik vor, dass sich diese Haltung verändern muss.

00:05:17: Dass es nicht um das verkehrsgerechte Kind, sondern um den kindgerechten Verkehr geht.

00:05:22: Das heißt, ich muss die Blickperspektive einfach ändern.

00:05:25: Ich muss aus der Augenhöhe von Kindern und Jugendlichen mit ihren Bedürfnissen auf die Stadt gucken.

00:05:31: Und das ist eine andere.

00:05:35: Ganz praktisch.

00:05:38: an einer Querungsstelle mal in die Hocke gehen und gucken, was man dann sieht.

00:05:42: Das wäre so das sehr plakative Erleben, wie sich so eine Perspektive verändern kann.

00:05:51: Aber es ist natürlich viel, viel, viel mehr.

00:05:57: Ich muss an jeder Stelle die Bedürfnisse im Blick behalten.

00:06:00: Und das hatte ich vorhin gesagt, es geht nicht nur um die objektive Verkehrssicherheit, sondern auch um die subjektive.

00:06:06: Was Kinder als Wohlfühlorte empfinden oder als Angstorte, kann sich durchaus unterscheiden von dem, was Erwachsene als Wohlfühlorte oder Angstorte empfinden.

00:06:17: Kinder wechseln auch mal die Straßenseite, wenn es unangenehm riecht, viel Sperrmüll oder Müll an sich auf der Straße ist oder ein Hund hinter dem Zaun immer bellt.

00:06:31: Das sind Aspekte, die sie unangenehm empfinden.

00:06:36: wechseln sie die Straßenseite, dann schlängeln sie sich vielleicht durch enge Bereiche, aber sie fühlen sich vielleicht objektiv wohler, obwohl sie subjektiv unsicherer sind, weil man sie nicht mehr sieht zum Beispiel.

00:06:55: Also das sind so Aspekte, die man berücksichtigen muss.

00:07:00: Wir bekommen auch in unserem Projekt noch oft gesagt, Krönschnitt für was ganz Klassisches.

00:07:08: Das ist doch eine tolle Hecke.

00:07:10: Ja, aber der Gehweg ist nicht mehr vorhanden und ich muss auf die Straße.

00:07:13: und was mache ich dann?

00:07:17: Andere Aspekte sind Baustellen.

00:07:20: Das sind auch häufiges Thema in den Schulprojekten.

00:07:27: Baustellen, die Kinder hilflos hinterlassen, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

00:07:33: Also das Schild, Fußgänger wechseln die Straßenseite.

00:07:37: Als Erwachsener weiß ich, wie ich die Straße dann da wechsle.

00:07:40: Ja, das ist

00:07:41: spannend.

00:07:42: Aber als Kind, um Himmels Willen, wie ich soll jetzt hier rübergehen, da ist doch nichts.

00:07:48: Da ist vielleicht keine Querungshilfe.

00:07:50: Da ist keine Fußgängerampel, da ist kein Zebra Streifen.

00:07:54: Wie komme ich hier rüber?

00:07:57: Das ist, ja, das bedeutet, kindgerechte Verkehrsplanung, sich also wirklich die Perspektive zu ändern und nach unten zu begeben und zu sagen, was brauchen die Kinder?

00:08:08: Was brauchen die Jugendlichen?

00:08:12: Das heißt, es gibt auch so ein bisschen ... Es hat auch mit Aspekten rund um Sichtbarkeit, Einsehbarkeiten, aber auch der eigenen Orientierung sozusagen im Raum zu tun, die wiederum das eigene Sicherheitsempfinden prägen.

00:08:30: Welche weiteren Aspekte würden Sie sagen, spielen für Kinder und Jugendliche eine

00:08:35: Rolle

00:08:36: dabei, wie Sie sich durch die Stadt bewegen, im Gegensatz zu Erwachsenen, die da vielleicht ganz andere ... Verhaltensweisen und Fokuser legen.

00:08:47: Erwachsene sind oft zielgerichtet unterwegs, also mit dem Ziel von A nach B zu kommen, egal ob mit dem Zufuß oder mit dem Fahrrad.

00:08:55: Das Thema Aufenthalt, Verweilen spielt schon eine Rolle, aber dann eher so im Sinne von Sitzen sich unterhalten können.

00:09:09: Auch da braucht es bestimmte, hat es bestimmte Anforderungen.

00:09:13: und bewegen sich einfach noch viel mehr.

00:09:15: Das kann sein, dass es ein Bordstein oder ein Mäuerchen ist, wo man mal kurz drauf springt und langbalanciert und wieder runter springt oder drüber springt.

00:09:25: Das beobachten wir oft.

00:09:27: Das sind so Elemente, die man auch einfach quasi unterbringen kann in einer Stadtgestaltung.

00:09:34: Aber sie brauchen natürlich auch mehr.

00:09:37: Die Jugendlichen brauchen Platz zum Skaten.

00:09:42: Und das wollen sie nicht am Stadtrand.

00:09:45: Wo ich kompliziert nur hinkomme mit dem Bus.

00:09:48: Sondern sie möchten, dass da, wo auch die anderen sind, also wo es Leben ist, wo vielleicht auch Geschäfte sind, wo vielleicht auch... Also wo es irgendwie anders attraktiv ist.

00:10:00: Und dann wollen sie gerade mal so eine Runde skaten.

00:10:02: Also ich finde, dass solche Sachen muss man berücksichtigen.

00:10:05: Aber insgesamt brauchen sie Platz auf ihren Wegen.

00:10:11: Also der Weg muss breit sein, der Weg muss so breit sein, dass... drei, vier Kinder problemlos nebeneinander laufen können.

00:10:19: Was auch Erwachsene schätzen, im Übrigen.

00:10:23: Sie wollen schwätzen können, sie wollen nicht im Gänse-Marsch zur Schule dackeln, zwischen Hauswand und parkenden Autos eingeklemmt.

00:10:33: Viele Kinder sind morgens mit dem ... oder sind zur Schule unterwegs mit einem Dreh-Troller, mit dem kleinen Rollerchen.

00:10:41: Da genießen sie natürlich auch die ebenden Oberflächen und die abgesenkten Bordsteine.

00:10:47: Das sind auch alles Elemente, die allen zugutekommen.

00:10:52: Und all das sind so Aspekte, die so einen Raum angenehm machen.

00:10:57: Jetzt habe ich noch vergessen das Thema Grün.

00:11:00: Das ist natürlich für die Kinder genau das Gleiche, wie für alle.

00:11:03: Also Schatten auf den Wegen ist natürlich immer etwas, was gebraucht wird.

00:11:11: Das ist ein Erwitterungsschutz, das ist ein Sonnenschutz.

00:11:16: Das macht einen Raum angenehmer.

00:11:21: Ich finde das spannend, was Sie jetzt schon immer wieder gesagt haben, dass eine kindgerechte Verkehrsplanung und eine kindgerechte Stadt am Ende des Tages auch eine menschengerechte Stadt ist.

00:11:30: Die kommt auch ganz vielen anderen Nutzer in Gruppen total zugute.

00:11:34: Also wenn wir über ebenen Bordsteine sprechen für die Verkehrsmittel von Kindern und Jugendlichen, Tretroller, Skateboard

00:11:43: etc.,

00:11:44: dann ist das gegebenenfalls auch für ein Rollstuhl

00:11:46: Fahrer

00:11:47: oder eine Rollstuhlfahrerin von Vorteil, wenn es da eben eine Oberflächen gibt.

00:11:54: Vielleicht können Sie mal den Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland werfen.

00:11:58: Also wo stehen wir gerade?

00:12:00: Wie bewerten Sie die Situation?

00:12:02: Ist die sehr weit von dem entfernt, was Sie gerade als kinderfreundliche Verkehrsplanung beschrieben

00:12:08: haben?

00:12:08: Es gibt eine Rollback.

00:12:09: Das Auto steht wieder verstärkt im Fokus.

00:12:13: Gleichzeitig sind Autos in den letzten Jahrzehnten immer immer größer, höher, länger, breiter geworden und brauchen immer mehr Platz dadurch.

00:12:26: Und dieses Größenwachstum ist sozusagen ein doppeltes Dilemma.

00:12:31: Die Anzahl der Autos hat zugenommen.

00:12:34: Das ist das eine.

00:12:37: Dadurch, dass aber die Größe der Autos zugenommen hat, können selbst die Menschen ihr Auto nicht mehr in eine eigene Garage fahren, die es vielleicht fahren wollten, weil die Autos nicht mehr hineinpassen.

00:12:49: Also das ist so ein doppeltes Dilemma sozusagen.

00:12:53: Das ist einfach nur frustrierend.

00:12:57: Das heißt, diese Autos stehen alle, müssen alle auf... Ebenen Flächen herumstehen, was oft genug dann eben der öffentliche Straßenraum ist.

00:13:07: Dadurch, dass sie breiter geworden sind, können sie drängen, sie immer weiter auf unerlaubter Weise auf den Gehweg, der dann immer schmarter wird.

00:13:18: Die Autos werden immer dominanter.

00:13:22: Manche Straßen sind ja organisierte Parkplätze.

00:13:26: Also zum Beispiel das ... Also verkehrsberückte Bereiche sind ja eigentlich gedacht gewesen ursprünglich, so als Beispiel Aufenthalt gemeinsam auf der Fläche zu ermöglichen und nur in wenigen Flächen durfte geparkt werden.

00:13:46: Ausgewiesene Flächen auf innen im verkehrsberückten Bereich.

00:13:48: Das war die Ursprungsidee, also es ist eine gemeinsame genutzte Fläche.

00:13:52: Und jetzt werden verkehrsberückte Bereiche oft ausgewiesen aus der Not.

00:13:57: dass ich mit dem Auto in der Mitte gar nicht mehr durchkomme.

00:14:00: Ich versuche, die Autos beidseitig an die Seite zu drängen und die Fläche in der Mitte zwar schon dann auch für den Fußverkehr zu geben.

00:14:09: Der nimmt sie sich aber nicht, weil das Ganze ja wie ein Parkplatz wirkt.

00:14:13: Also das ist ja nichts, wo ich mich aufhalten möchte.

00:14:16: Da gibt es keinen Grünen, da gibt es keinen Sitzen, da gibt es keine Plätzchensituationen.

00:14:22: Sondern es gibt nur Parken.

00:14:24: Das ist für mich so ein deutliches Indiz für den Rollback.

00:14:28: Gleichzeitig werden die Finanzmittel immer geringer, um Projekte im Bereich der Nahmobilität für Fuß und Rad umzusetzen.

00:14:40: Die Fördertöpfe sind beschränkt auf XXV.

00:14:42: Es ist vollkommen unklar für uns alle, wie das dann weitergehen wird.

00:14:47: Aber es ist anzunehmen, dass die Töpfe gekürzt werden wird.

00:14:52: In Berlin kennen sie sich ja damit aus, wie schwierig das sich gestaltet und das wird es sich auch im Bundesland so sein.

00:15:06: Also es gibt einige Bundesländer, die sind sehr aktiv und andere tun sich sehr schwer.

00:15:15: Aber das steht ja total im Konflikt mit dieser Mission Zero.

00:15:20: Wie hat sich denn die Bundesregierung gedacht, dieses Ziel zu erreichen?

00:15:23: Also ist das sozusagen mit konkreten Maßnahmen hinterlegt, wo jetzt einfach nur die Mittel zur Umsetzung fehlen?

00:15:31: Also bei der Mission Zero ist ein starker Fokus tatsächlich auf den technischen Machbaren gelegt, also Autotechnologie.

00:15:43: überspitzt gesagt, fahre ich mit meinem SUV durch die Gegend, bin ich doch sicher.

00:15:49: Da muss man aber dazu wissen, dass die bei den Anzahl der Kinderverkehrsunfälle, die jetzt zugenommen haben auf Schulwegen, die meisten Kinder im Auto tatsächlich verunglücken und die wenigsten zu Fuß.

00:16:01: Das ist tatsächlich spannend.

00:16:02: Also das Thema mit dem Auto unterwegs zu sein, das ist nichts, was automatisch sicher ist.

00:16:10: Das ist so ein Aspekt.

00:16:14: Ja, das ist ein Konflikt, das ist ein Dilemma.

00:16:17: Auf der einen Seite wissen alle Planerinnen und Planer und auch in der Stadtverwaltung ist das schon Konsens.

00:16:23: Wir müssen von außen nach innen planen, das sind die Richtlinien, das sind die Straßenverkehrsordnung und die Verwaltungsvorschrift, die das alles auch quasi unterstützen und unterschreiben.

00:16:33: Also rechtlich und von den Richtlinien und den Planungsvorgaben ist das alles bekannt und wird auch von der Planerseite her auch.

00:16:45: Und gleichzeitig gibt es in der Umsetzung zwei Punkte, die das problematisch machen, nämlich einmal die Kasse, die leer ist.

00:16:56: Also ich kann ganz schwierig bauliche Maßnahmen realisieren, Gehwegnasen herstellen und Zepra Streifen neu anlegen.

00:17:08: Das ist nicht einfach nur die Markierung aufbringen, das Schildaufsatz aufstellen, sondern ich brauche die taktile Elemente, ich brauche die Beleuchtung, die eine bestimmte Form haben muss.

00:17:19: Das muss unter Umständen eine extra Beleuchtung sein, die zusätzlich zur Straßenbeleuchtung hergestellt wird.

00:17:25: Das geht richtig ins Geld.

00:17:26: Das heißt, das kann ich nicht mal eben gerade so machen.

00:17:31: Baumpflanzung, Straßenraum umgestalten mit neuen Querschnittsaufteilungen.

00:17:35: Das ist fast gar nicht mehr möglich.

00:17:37: Es sei dann der Kanal pricht und ich muss sowieso alles aufreißen, dass dieses Rheinfinanzielle ist eng geworden.

00:17:46: Das heißt, ich muss mit ganz schmalen Mitteln, mit Markierungen, mit vielleicht Wecknahme von Parken auf der einen Seite.

00:17:56: dort dann mit Palettenarbeiten, mit Parklets, mit temporären Baumstandorten.

00:18:03: Da versuchen, was zu verändern.

00:18:06: Und dann kommt die politische Seite, die oft die Sorge hat, dass Veränderungen im Parkangebot, aufgrund der Gründe, die ich vorhin genannt habe, oft fehlt wirklich die Vorstellung der Alternative, obwohl es auch dazu vonseiten der Planerseite.

00:18:26: Ideen gibt, wie man z.B.

00:18:28: Parkplätze von Einkaufszentren doppelt nutzen kann, wie man Büroparkplätze für Anwohner abends frei machen kann.

00:18:41: Also da gibt es Untersuchungen, da gibt es Ergebnisse, da gibt es Ansätze, wie man das einfach umsetzen kann.

00:18:47: Aber da tun sie sich, dass es aufwendig, weil es braucht neue Verträge, man muss überlegen, wer ist zuständig.

00:18:54: Das ist nicht so ganz das... Ganz einfach, man muss es aber machen, damit die Straßen frei werden.

00:19:00: Und diese Veränderungen, insgesamt machen wir immer Angst.

00:19:05: Veränderungen machen Angst.

00:19:06: Und das Angebot an regelwidrigen Parkständen im Straßenraum aufzugeben, ich sage es bewusst so, macht auch Angst.

00:19:18: Und die Sorge, man würde da nicht wiedergewählt, ist sehr hoch.

00:19:23: Also das ist so ein Widerspruch.

00:19:24: Also alle wissen, Das geht und das muss und es ist regelwidrig, aber man hat Angst, das wirklich umzusetzen, oft.

00:19:34: Wobei es gibt auch Kommunen, die machen das und fangen an und fangen im Kleinen an, weil es gibt immer Straßenabschnitte, die sind unkritisch.

00:19:43: Und dann kann man diese Veränderung auch lernen.

00:19:48: Da kommen wir gleich noch zu, zu denen die es gut machen.

00:19:52: Aber vielleicht kannst du noch mal ganz grob skizzieren.

00:19:56: Nicht ganz grob, sondern eher ganz konkret skizzieren, wo Kinder im Alltag, also auf ihrem Schulweg oder auch in der Freizeit auf Barrieren und Gefahren stoßen im Verkehr.

00:20:06: Also was sind so klassische Unfallsituationen?

00:20:10: Ganz klassisch ist der zu schmale Gehweg.

00:20:14: Wir sind oft in kleinen Kommunen unterwegs.

00:20:16: In Berlin mag man sich das oft gar nicht so vorstellen, weil da sind die Straßenräume oft sehr breit.

00:20:22: Selbst in Frohnau sind sie noch sehr breit.

00:20:24: Also das ist ja wirklich sehr komfortabel.

00:20:28: Und wenn man aber im ländlichen Raum unterwegs ist, oder auch in Darmstadt, sind die Gehwege oft schmal und sind baulich hergestellt mit ein Meter fünfzig, was nicht regelkonform ist.

00:20:44: Regelkonform sind zwei Meter fünfzig.

00:20:48: Wenn ich aber auf diesen ein Meter fünfzig dann auch noch ein bisschen so ein SUV Fuß drauf habe, sozusagen, dann habe ich nur noch so ein Meter zehn.

00:21:00: Da komme ich durch mit dem Ranzen.

00:21:01: Das ist unangenehm.

00:21:04: Das ist noch nicht gefährlich.

00:21:05: Es ist nur einfach unangenehm.

00:21:08: Dann komme ich an eine an eine Kreuzung und muss darüber entweder steht das Auto so nah, dass ich nicht sehen kann.

00:21:14: Das sind oft den Grundstraßen der Fall oder Wenn es eine Signalisierung ist, signalisierte Querung ist, also mit der Ampel, wenn es eine Fußgängerampel ist, dann braucht es manchmal lang, bis es grün wird.

00:21:31: Also ich werde dann unbeduldig, Kinder werden ungeduldig schon, wenn es länger als zwanzig, dreißig Sekunden dauert.

00:21:39: Merkt man die aber auch von sich selbst.

00:21:40: Man muss sich selbst von uns ein bisschen an sich halten.

00:21:43: Und dann ist oft für die Kinder tatsächlich die Grünzeit zu kurz.

00:21:49: Tatsächlich kürzere Beine.

00:21:51: Also ich denke mal so in die ersten, zwei Klisten, die haben tatsächlich kürzere Beine.

00:21:55: Das heißt, sie gehen auch etwas langsamer.

00:21:57: Und es gibt Richtlinien natürlich, die sagen, eins, zwei Meter pro Sekunde, das ist so okay als Geschwindigkeit.

00:22:05: Aber wenn ich in der Gruppe unterwegs bin, merkt man auch als Erwachsener, dass wenn man langsamer geht, wenn man älter ist, geht man auch langsamer und Kinder gehen auch langsamer.

00:22:12: Und da wäre so ein... oder Null, neun Meter pro Sekunde, also die angemessene Geschwindigkeit, die man in der Bemessung der Grünzeit zur Sekunde legt.

00:22:22: Die alle lernen, wenn Grün ist, kannst du losgehen und du kannst dann auch immer noch rübergehen.

00:22:28: Das ist sicher.

00:22:30: Wenn aber Kinder losgehen und es wird mittendrin auf der Straße rot, dann trennen die un.

00:22:38: Wenn sie noch nicht weit genug sind, wenn sie meinen, sie wären noch nicht weit genug, dann trennen die um, die kommen nicht über die Straße.

00:22:44: Das heißt, die Kohenzeit muss an sich etwas länger bemessen sein, damit sie auch keine Angst bekommen, wirklich rüber zu gehen.

00:22:53: Das ist natürlich noch ein anderer Aspekt.

00:22:55: Das muss man auch im gutes Beispiel für den Bildungsanteil.

00:23:01: Wir müssen nicht nur Verkehrsplanung machen, dass der Stadtraum gut geplant ist, sondern man muss auch wissen, wie man ihn nutzen kann.

00:23:11: Ich vertrete so die Meinung, dass es hilft nichts, eine tolle Straße, einen neuen tollen Park zu planen, wenn ich nicht weiß, wie ich ihn nutzen kann oder darf.

00:23:22: Ja, das mit den grünen Phasen resoniert.

00:23:25: Ich glaube, Berlin hat deutschlandweit mit die kürzesten Grünphasen.

00:23:29: Und ich merke das jeden Tag im Alltag.

00:23:31: Also man muss wirklich im Stechschritt darüber.

00:23:35: Sag ich als irgendwie junge Person.

00:23:37: Ich frag mich immer, wie das meine älteren NachbarInnen machen.

00:23:40: Aber gut, komm vielleicht.

00:23:42: Wenn dir

00:23:42: vor, du bist mit dem Kinderwagen unterwegs und hast doch einen Dreijährigen an

00:23:45: der Hand.

00:23:46: Du hast keine Chance.

00:23:47: Genau, unsere Zielgruppe.

00:23:49: Ja, voll.

00:23:51: Kommen wir vielleicht zu etwas positiveren Dingen.

00:23:54: Und zwar fallen dir Kommunen ein, wo du sagst, da läuft es schon richtig gut.

00:23:59: Und wie haben die das geschafft, kindgerechte Verkehrsplanung umzusetzen?

00:24:05: Wenn du da jetzt nicht in Deutschland, finde ich, wirst, gerne auch international.

00:24:11: Okay.

00:24:12: Ja, gut.

00:24:13: International gibt es verschiedene Beispiele.

00:24:17: Aber ob die jetzt wirklich kindgerecht sind, also die sich gut mit dem Thema Fuß- und Radverkehr auseinandergesetzt haben, ob die wirklich kindgerecht sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

00:24:27: Deswegen lasse ich das mal außen vor.

00:24:29: Was immer ein guter Ansatz ist natürlich das Thema kinderfreundliche Kommunen, sich mit auf den Weg zu machen, sich mit dem Thema als Verwaltung auch zu befassen und intensiv zu befassen und die Kinder dabei auch wirklich mit ins Boot zu holen.

00:24:47: Ich bin Sachverständige in Elth-Wille und die sind jetzt vor der Siegelverlängerung, stehen sie gerade, haben sich auf einen weiten Weg gemacht und ich habe den Eindruck, das verstetigt sich jetzt so langsam.

00:25:03: Sie haben auch eine sehr engagierte Kinder- und Jugendbeirat, der da jetzt auch wirklich viel ja auch Fragen stellt und damit auch die Gespräche am Laufen hält.

00:25:19: Das ist ein insgesamt, finde ich, durchaus ein Prozess, der ein hohes Maß an Engagement und langen Arten auch braucht, bis es so wirklich sich, ja, bis es trägt.

00:25:34: In Hessen gibt es das Fachzentrum Schulisches Mobilitätsmanagement, der Arbeitsgemeinschaft für Nahmobilität.

00:25:48: Das ist ein Förder... Ansatz des Landes Hessen.

00:25:53: Und in diesem Bereich werden sogenannte Schulmobilitätspläne gefördert, also Kommunen oder Kommunen kommitten sich, dass die schulischen Mobilitätsmanagement unterstützen.

00:26:10: Und Schulen bewerben sich auf die Teilnahme an dem Programm und wir erstellen dann gemeinsam mit Kommune und Schule.

00:26:21: sogenannte Schulmobilitätspläne, die dann wieder in zwei Richtungen Informationen geben.

00:26:25: Einmal, was kann ich als Schule im Bereich Schulmobilitätsbildung wirklich ganz aktiv tun im Unterricht mit den Eltern, im Schulalltag?

00:26:35: Was aber auch ganz konkret den Kommunen, die Hinweise gibt, wo liegen denn die Probleme auf den Schulwegen?

00:26:43: Und Schulwegpläne sind ja verpflichtend in Hessen und insofern ist das für eine Sonne.

00:26:51: win-win Situation.

00:26:53: Und das erstellen wir nicht am grünen Tisch mit zwei, drei Leuten, sondern mit einer großen Arbeitsgruppe und mit einer starken Schülerbeteiligung.

00:27:02: Das heißt, wir befragen alle Schülerinnen zu ihren Schulwegen und wir haben Schülerprojekte, sogenannte Stadtspaziergänge, wo quasi den Schulweg checken im Bereich des Schulumfelds und dann sehr genau zu identifizieren, wo Wo ist gut, wo ist nicht so gut?

00:27:22: Und die Schülerinnen schicken eine Delegation in die Arbeitsgruppe, sodass sie auch wirklich am Prozess beteiligt sind.

00:27:29: Und ich glaube, das ist ein guter Ansatz, um sozusagen vom Kleinen in die Schule gehen müssen alle Kinder, vom Kleinen diesen sehr demokratischen Prozess der Beteiligung mitzumachen und auch zu erleben, dass Erste kleine Maßnahmen schon im Projekt in aller Regel umgesetzt werden können.

00:27:51: Also diese schöne Worte Selbstwirksamkeit, finde ich, ist da sehr angemessen.

00:27:58: Und je mehr Schulen mitmachen, desto breiter trägt es und die Kommune weiß dann auch sehr genau, hier ist es gut und hier ist es nicht so gut.

00:28:07: Und da müssen wir als erstes anfangen, oder wenn wir eine Baumaßnahme planen, ist da ein Schulweg?

00:28:12: Oh, da ist ein Schulweg.

00:28:13: Da müssen wir die Schule informieren, dass wir da jetzt was machen.

00:28:16: Und da müssen wir besonders in Wert auf die Baustelleneinrichtung legen, dass das auch gut funktioniert, dass das also nicht so vom Himmel fällt.

00:28:23: Also das ist sozusagen wirklich ein Prozess, der so ein Win-Win gibt.

00:28:28: Und ich glaube, man kann dann ganz gut dann so... dann auch aufsatteln und kinderfreundlich insgesamt werden, weil das ist ja noch ein bisschen mehr als nur der Stadt- und Verkehrsraum.

00:28:39: Aber über diese oder abgesehen von diesem Modell, Kommunen, welche Rolle spielt denn überhaupt Kinder- und Jugendbeteiligung in den Planungs- und Entscheidungsprozessen bei Verkehrsplanungsprojekten in Kommunen gerade?

00:28:52: Zu wenig, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist.

00:28:56: Ich habe es mir nochmal aufgeschrieben.

00:28:58: In Hessen ist es die hessische Gemeindeordnung, Paragraf vier C. Kinder und Jugendlichen sind bei allen Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise zu beteiligen.

00:29:12: Wobei das natürlich sehr breit auslegbar ist.

00:29:17: Was ist angemessene Weise?

00:29:20: Für mich ist angemessene Weise so, dass Kinder und Jugendliche es verstehen können müssen.

00:29:28: Also, es geht jetzt nicht um die reine Information, das ist nicht angemessen, weil die, damit können sie es nicht einordnen, sondern ich muss es so aufbereiten, dass sie den Plan lesen können, dass sie verstehen, warum eine Querung hier hinkommt und nicht dahin.

00:29:47: Das muss ich mich mit denen unterhalten.

00:29:49: Ich muss es ihnen erläutern, so dass sie es verstehen, also mit ihrer Sprache.

00:29:53: Ich muss vielleicht auch mal rausgehen und schauen, bin ich vielleicht schiefgewickelt.

00:29:58: als Planerin.

00:30:00: Das muss man zusammen erarbeiten sozusagen.

00:30:07: Im hessischen Verkehrssicherheitskonzept ist tatsächlich, was ich immer noch mich drüber freue, an einem Absatz festgelegt, dass man sogenannte Verkehrsschau-Kommission mit Kindern und Jugendlichen einrichten möge.

00:30:25: Das heißt, Immer, wenn ich höre, Kinder haben einen oder Jugendlichen, haben wir eine Fragestellung zu einem öffentlichen Raum, dass ich sozusagen wirklich mit der Verwaltung rausgehe und Kindern und Jugendlichen und mir diese Situation ganz de zitierte an Koke.

00:30:41: Cool.

00:30:41: Das ist die Maßnahme MV-Acht, also wenn das jemand nachlesen möchte.

00:30:45: Also das ist wirklich...

00:30:47: Verliehen wir in den Show-Nodes.

00:30:48: Ja, ja, das ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt und das ist aber noch... Man muss es immer wieder darauf hinweisen.

00:30:55: So übrigens... In Hessen ist das festgelegt.

00:30:59: Mach das doch einfach mal.

00:31:01: Tut euch nicht so schwer.

00:31:02: Ihr dürft das machen.

00:31:03: Also ich glaube, das ist diese oft so eine große Sorge.

00:31:06: Darf ich das machen als Verwaltung?

00:31:08: Ist das legitimiert sozusagen?

00:31:13: Welche Rolle spielen bei so Beteiligungen vielleicht auch kleinere Pop-up-Verkehrsexperimente, wo Kinder und Jugendliche eingebunden werden?

00:31:22: Also, wo man sozusagen erstmal pilotiert, eine Maßnahme und dann evaluiert und dann gegebenenfalls verstetigt.

00:31:29: Pilotprojekte sind immer perfekt nach meiner Einschätzung.

00:31:36: Einfach, weil sie diese Angst vor Veränderung kleiner machen.

00:31:42: Wenn ich sage, wir probieren das erst mal aus und wenn es gut ist, lassen was.

00:31:46: Und wenn es nicht gut ist, machen wir was anderes.

00:31:49: Dann haben alle so das Gefühl, naja, das ist noch nicht absolut.

00:31:53: Und ich kann auch, wenn ich möchte, was dazu sagen.

00:31:57: Und wenn ich das mit Kindern und Jugendlichen mache, ist das natürlich die gleiche Art und Weise.

00:32:05: Ich kann auch mit denen üben, dann den Raum in Besitz zu nehmen.

00:32:11: Ich habe gerade aus einer anderen Stadt, die haben jetzt pilothaft eine Schuldstraße eingerichtet.

00:32:17: Ich habe mit der Kollegin von der Stadt gesprochen und sie sagte, was ganz toll ist, die Kinder und Jugendlichen haben wir gehört, die nehmen die Straße gleich in Besitz.

00:32:27: Das ist toll.

00:32:31: Es gibt die Möglichkeit, darüber Veränderungen begreifbar zu machen.

00:32:38: Welche Methoden gibt es, Kinder und Familien einzubinden?

00:32:41: Du hast gerade schon von einem Beirat gesprochen.

00:32:47: Was sind so typische andere Beteiligungsmethoden, die da angewandt werden?

00:32:52: Also die klassischen Beteiligungsmethoden, von denen ich glaube, dass sie niederschwellig umsetzbar sind, sind tatsächlich diese Schulworkshops, die wir Stadtspaziergang nennen, in den Schulen.

00:33:05: Das ist das eine.

00:33:06: Dann haben wir Unterrichtsmaterial zu einer kleinen Modemilitätsbefragung.

00:33:12: Das sind fünf Plakate, die bekommen die Schulen mit der Bitte innerhalb eines einer Woche, jeden Tag so zehn Minuten ungefähr, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

00:33:24: Es ist einmal das Verkehrsmittel, das einfach jeden Tag abgefragt wird.

00:33:28: Dann ist es Begleitmodulität.

00:33:29: Dann ist, was findest du gut auf deinem Schulweg?

00:33:32: Was ist schlecht auf deinem Schulweg?

00:33:33: Und welche Wünsche hast du?

00:33:34: Und das können die dann gerade diese letzten drei Punkte.

00:33:38: sollen die jeweiligen Lehrerinnen motivieren, sich mal im Unterricht wirklich einfach mit dem Thema auseinanderzusetzen, also auch vielleicht auch dauerhaft, um das zum Anlass zu nehmen.

00:33:52: Und da kommen immer ganz spannende Sachen raus, je nachdem, wie engagiert die Lehrkraft ist.

00:34:00: Vielleicht kannst du meine Vision für uns zeichnen.

00:34:02: Wie sieht eine Stadt mit einer absolut optimalen und vorbildlichen, kinderfreundlichen Verkehrsplanung aus?

00:34:07: Und wie kommt

00:34:08: man?

00:34:09: Mit welchen Schritten kommt man dahin?

00:34:11: Eine kinder- und jugendfreundliche Stadt ist grün, hat viel Platz.

00:34:19: Die Wege sind von Bäumen gesäumt, es gibt keinen Parken, es gibt Möglichkeiten, mich zu bewegen.

00:34:27: Also es gibt Balanciermöglichkeiten, es gibt Flächen auch hier.

00:34:31: Ich kann vielleicht auch einfach auf so einen kleinen Platz, wo ich mal bleiben kann.

00:34:38: Wasser ist ein ganz wichtiger Punkt für Kinder.

00:34:43: Wasserläufe, Brunnen.

00:34:48: Ich

00:34:49: komme hindernisfrei über Straßen.

00:34:53: Ich muss nicht lange warten.

00:34:55: Ich muss vielleicht überhaupt nicht warten, weil der Gehweg einfach durchgeht und Autos aus den... Neben Straßen müssen warten, bis ich drüber bin.

00:35:09: Das wäre meine Vision von einer sehr kinderfreundlichen Stadt.

00:35:15: Kinder können wieder draußen spielen.

00:35:18: Ich muss nicht kompliziert zu einem Spielplatz gelangen oder gebracht werden, sondern ich gehe aus dem Haus und spiele draußen.

00:35:30: Ich konnte das noch.

00:35:31: Meine Kinder konnten das.

00:35:32: Und jetzt scheint es immer schwieriger zu werden.

00:35:36: Und was ist da für politisch und gesellschaftlich nötig?

00:35:39: Also, wie kommt man dahin?

00:35:40: Wie kommt man dahin?

00:35:42: Man kommt dahin, indem man das ernst nimmt.

00:35:43: Man nimmt das ernst, weil diese Stadt ist ja gesund.

00:35:48: Deswegen ist eine gesunde Stadt.

00:35:49: Das ist eine klimaresilienzerente Stadt durch das Wasser und das Grün.

00:35:55: Und das ist etwas, was ja nicht nur Kinder brauchen, sondern das brauchen wir in der älter werdenden Gesellschaft.

00:36:01: Und das brauchen wir in Anbetracht des Klimawandels.

00:36:05: Meines Erachtens führt gar kein Weg daran vorbei, wenn ich es ernst nehme.

00:36:13: Das ist das Plädoyer, diese Situation, diese Herausforderung ernst nehmen.

00:36:20: Also ich muss gar nicht irgendwie mir was herbeireden und herbeihargumentieren.

00:36:29: Manche Dinge einfach ernst nehmen.

00:36:32: Es gibt den Klimawandel, ich brauche die Klimaanpassung, ich habe Starkregenereignisse, ich habe mehr Hitze Tage.

00:36:39: Das ist das eine.

00:36:40: Aber ich habe auch alles schon an Gesetzen und Richtlinien.

00:36:45: Das ist ja der Witz.

00:36:46: Also es ist ja jetzt nicht so, dass man was Neues machen muss.

00:36:48: Man muss nur das, was da ist, nutzen und umsetzen.

00:36:52: Es gibt die Richtlinien zur Anlage von Stadtstraßen, von der Forschungsgesächer für Straßenverkehrswesen, die schon seit Jahr zwei tausend sechs sagt, verteilt die Flächen von außen nach innen, bemässt den Straßentraum.

00:37:08: Nach einem städtebaulichen Maß, drei zu vier zu drei.

00:37:12: Und wenn kein Platz für Parken ist, dann ist kein Platz für Parken.

00:37:18: Kannst du drei zu vier zu drei noch erläutern für unsere Zuhörerinnen?

00:37:22: Das ist die, drei ist die die Breite des Seitenraums für zu Fuß gehen und Fahrrad fahren.

00:37:31: Und vier ist der Anteil für den fließenden Kfz-Verkehr.

00:37:39: Das Grün ist auch noch im Seitenraum, also in dem Anteil drei.

00:37:44: Und damit, wenn man das so mathematisch aufteilt, dann stellt man fest, man muss oft abwägen, wie man es macht, damit es überhaupt funktioniert.

00:37:56: Aber man wird auch deutlich, dass wenn ich die zwei Meter fünfzig Gehwegbreite ernst nehme, dass dann das Thema Parken, also das Stehen von Fahrzeugen.

00:38:08: nur in wenigen Straßenverschnitten unterbringbar ist.

00:38:12: Und das meine ich mit dem Ernst, einfach das Ernst nehmen, diese Flächenverteilung, nicht dann sagen, naja gut, dann muss halt der Seitenraum, dieses drei machen wir mal dann zu zwei, weil wir brauchen das Platz zum Stehen.

00:38:23: Also da gibt es dann, deswegen sage ich, nehmt einfach das Ernst, was da ist, setzt es um und ja, und startet auch die Kommunen mit den entsprechenden finanziellen Mitteln aus, es auch umzusetzen.

00:38:42: Ja, und dann habe ich schon durchaus auch ein Plädoyer an die Eltern, Trauts oder Erziehungsberechtigten, traut euren Kindern mehr zu.

00:38:53: Traut ihnen zu, dass sie in der Gruppe sicher zur Schule kommen.

00:38:59: Bringt es ihnen bei, wie das funktioniert.

00:39:02: Begleitet die Gruppe, macht Laufgemeinschaften.

00:39:04: Es muss nicht immer eine Mutter, ein Vater, ein Erwachsener.

00:39:10: mit einem Kind laufen, sondern man kann das auch mit Gruppen machen, Laufgemeinschaften oder mit dem Fahrrad.

00:39:17: Jetzt gibt es die Aktion, Epizipus ist in aller Munde, die Aktion zu Fuß zur Schule ist gerade zu Ende gegangen.

00:39:24: Also das sind so aktive Schulradlinge, das ist ein anderer Wettbewerb.

00:39:28: Es gibt ja viele, viele Ansätze, die das befördern wollen.

00:39:32: Traut es euren Kindern zu, macht es und dann macht es auch wieder mehr Spaß und man sieht auch, wo die Lücken sind.

00:39:42: Und das wiederum sind ja auch ganz wichtige relevante Lernerfahrungen, die Kinder im Straßenraum machen müssen.

00:39:49: Also wie kann ich die Gefahren irgendwie einschätzen?

00:39:53: und so weiter.

00:39:54: Und wenn sie jeden Tag mit Elterntaxi zur Schule gebracht werden, dann bleiben diese Erfahrungen einfach aus.

00:40:00: Das ist vollkommen korrekt.

00:40:01: Ich muss meine innere Meinung bei Schulen, ich muss meiner motorischen Fähigkeiten Schulen.

00:40:07: Und das geschieht eben, indem ich... zuerst zu Fuß gehe und damit im Fahrrad oder dem Roller fahre und dann später viele steigen noch um aufs Auto, aber auch diese Kompetenz des Einschätzens von Geschwindigkeiten lerne ich, indem ich zuerst zu Fuß gehe und damit im Fahrrad unterwegs bin.

00:40:26: Das lerne ich nicht von der Rückband auf den Vordersitz.

00:40:30: Das geht schief, wie man an vielen Unfällen auch sehen kann.

00:40:34: Ein riesengroßer Themenkomplex, der mir gerade die ganze Zeit noch im Hinterkopf schwirrt.

00:40:40: Das Thema Emissionen finde ich auch ganz viel mit den Kinderrechten zu tun haben.

00:40:46: Also was für eine Welt hinterlassen wir eigentlich gerade unseren Kindern und Jugendlichen.

00:40:50: Da gibt es eine ganz rührende Geschichte aus London.

00:40:54: Da wir die Folgen schön kompakt halten wollen, würde ich die in den Show Notes verlinken.

00:40:57: Aber da geht es um ein kleines Mädchen Ella, die an Asthma gestorben ist, was besonders stark immer an den Tagen war, wo London's innerstädtischer Verkehr einfach besonders hohe Ausstoßwerte hatte.

00:41:12: Und die Mutter hat eben eine riesengroße Kampagne gestartet, ist inzwischen gut befreundet mit dem Bürgermeister und das hat eigentlich zu dieser London-Inner-City-Ultralow-Emissionszone geführt.

00:41:26: Aber das muss ich in den Shownotes verlinken, möchte ich aber hier nicht unerwähnt lassen.

00:41:32: Das ist auf jeden Fall ein ganz relevantes Thema.

00:41:34: Also das Tempo-Tempo-Treißig aus Lärmschutzgründen und die Umweltzone.

00:41:40: Beides sind Maßnahmen, die der Gesundheit von Kindern dienen, nachweislich.

00:41:47: Und ich finde es maximal markaber, wenn mit irgendeiner Begründung das wieder aufgehoben wird.

00:41:57: Also ich finde es einfach markaber, weil es ist nachweisbar, dass es wirkt, dass so noch... Am Rande.

00:42:05: Ja.

00:42:07: Ja, vielleicht zum Schluss noch die Fragen, warum lohnt es sich gerade in diesen Zeiten, hast du auch schon hierunter angerissen, aber in diesen Zeiten stärker auf Kinderrechte in der Verkehrsplanung zu

00:42:17: achten?

00:42:18: Und was wäre nochmal ein persönlicher Wunsch oder eine Botschaft an Kommunalpolitikerinnen, Planerinnen und Eltern?

00:42:27: Es gibt dieses sehr gute Sachbuch.

00:42:32: Kinder.

00:42:33: Minderheit ohne Schutz.

00:42:35: Ich finde, das ist maximal treffend.

00:42:39: Die Anzahl der Kinder hat so deutlich nachgelassen, dass ich diese Zahlen immer mal wieder zitiere.

00:42:48: ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, ein, Im Zoo, in dem Fall als Vergleich zu Spielplätzen.

00:43:40: Ein Spielplatz ist für mich, also Spielplätze wurden erfunden Ende neunzehnundzwanziger Jahren, um Kinder von der Straße zu bringen, damit das Auto ungestört fahren kann.

00:43:51: Das ist sowas wie ein Zoo.

00:43:53: Und meine Vision ist aber, dass wir ein Miteinander haben müssen.

00:43:57: Ein sicheres Miteinander mit niedrigen Geschwindigkeiten innerhalb der Stadt, mit Straßen mit noch niedrigeren Geschwindigkeiten, mit wenig Konfliktpotenzial.

00:44:10: Das ist das, was braucht.

00:44:14: Ja.

00:44:15: Vielen Dank, dass du auch das nochmal für uns eingeordnet hast.

00:44:18: Vielen Dank auch für das Gespräch.

00:44:19: Das war super interessant und wertvoll.

00:44:22: Wir hoffen, dass wir damit einen Beitrag leisten konnten, Kinderrechte als festen Bestandteil der Verkehrsplanung greifbarer zu machen.

00:44:28: Danke an dich, dass du dein reichhaltiges Wissen mit uns geteilt hast.

00:44:33: Habt ihr noch Fragen oder Wünsche für weitere Themen, die wir in unserer Reihe behandeln sollten, dann schreibt uns gerne an die Mail-Adresse in den Show-Notes.

00:44:40: Der Podcast ist eine Co-Produktion der Städte Mannheim, Köln und des Berliner Bezirks Pankow.

00:44:46: Redaktion und Produktion Jürgen Brecht, Annika Latzer-Schulte und Aline Freikin.

00:44:50: Musik und Schnitt Dylan White, Cover und Artwork

00:44:54: Maja Luna Neumann.

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